exhibition 2025/2026
December 4, 2025 — March 8, 2026:
Exhibition at European Museum of Modern Glass in Coburg, Germany
Am heißen Glasofen steht man nie allein: Glasmachen ist ein Akt der Zusammenarbeit, des Vertrauens und der gemeinsamen Bewegung. Wie in einer Jam-Session entstehen Rhythmus, Tempo und Dynamik im Wechselspiel gegenseitiger Impulse. glassjam.impro überträgt dieses Prinzip in einen künstlerischen Prozess, in dem sich Interpretation und Reaktion wechselseitig ablösen.
Jedes Mitglied reichte ein eigenes Werk anonym weiter, das von einem anderen vertont wurde und anschließend von einer dritten Person als Grundlage für eine neue Glasarbeit diente – ohne zu wissen, wer die Klänge geschaffen hatte oder welches Werk vertont worden war. So entsteht ein vielschichtiger Dialog, in dem sich individueller Ausdruck und kollektives Schaffen verbinden. Immer drei Künstler:innen stehen in Beziehung zueinander und vernetzen sich mit anderen Trios, sodass schließlich alle acht miteinander verbunden sind – ein Geflecht aus Resonanz, Interpretation und Zusammenarbeit.


shuffle 1
I. initiation:
Jesse Günther

II. adaption:
Olga Golos
Der Klang mehrerer Glasstücke: ein aufeinanderprallendes Rauschen, eine rasch sich vervielfachende Resonanz. Schatten eines einzigen Sounds, übereinandergeschichtet zu einem
flüchtigen Zittern.
Ein Flattern der Bewegung – kleine Körper im Gleichgewicht, gehalten von einem unsichtbaren Impuls. Ein vibrierendes Ensemble, das nicht auf ein Zentrum verweist, sondern auf ein Gemeinsames, das nur im Moment seiner Fragilität existiert.
III. interpretation:
Masami Hirohata

Anschwellen und Schwere.
Wie Atemzüge wiederkehrenden Wellen.
Die Bewegung dessen, was im Schweigen ruht.
Weiße, grenzenlose Weite.
shuffle 2
I. initiation:
Olga Golos

II. sound:
Norbert Michno
Deep softness,
A familiar space closed in a thin layered shell.
Infinity on both sides.
Light covered by darkness,
Warmth surrounded by cold.
Feeling of belonging covering my whole body,
Universal fluidity building up.
III. interpretation:
Anna Riedl

Words that came to mind as I listened to Norbert’s audio recording:
Water. Drops. Ripples. Wet. Cold. Echo. Dark. Tunnel.
shuffle 3
I. initiation:
Anna Riedl

II. sound:
Zuzana Kubelková
I have been given a very calm piece, yet one that is full of life. It keeps me refreshed and clears my mind. I see my own face reflected in it — is it me, or is it nature? In my thoughts, calm water mirrors appear, while the bubbling sound of an incoming rush of a stream fills these natural mirrors with life — and in my mind arise calm waters, hiding their secret dangers, unseen… yet if you fall…
III. interpretation:
Lotte Schlör

Beim Arbeiten mit heißem Glas begleitet Wasser den gesamten Prozess: Es kühlt die hölzernen Werkzeuge, die durch die Hitze leicht zu schwelen beginnen, und verdampft zischend, sobald es die glühende Glasoberfläche berührt. Blubbernde Blasen entstehen durch eingeschlossene Luft und die enorme Hitze im Material – in dieser Arbeit festgehalten, damit die Spuren sichtbar bleiben.
shuffle 4
I. initiation:
Masami Hirohata

II. sound:
Jesse Günther
I was working with a piece by Masami Hirohata. I was exploring the structure and the feeling of the landscape of pieces from her work. Paying close attention to the structural details, I imagined what the internal sound of these objects would be, as if I were listening to their inner motions with a stethoscope. The task made me engage with the artwork in a new way I wouldn’t otherwise have experienced. It’s like an invitation to let my own imagination explore what this work is about with freedom, drawing me closer to my experience and further from my concern about what the artist’s intention might have been. A playful act.
III. interpretation:
Zuzana Kubelková

Goose bumps — very rough, natural, intense, uncomfortable. It has to become a rough piece. Nothing concrete. Imitating the sound through a harsh texture – object as instrument? Instrument as object?
shuffle 5
I. initiation:
Zuzana Kubelková

II. sound:
Markus Marschmann
Die Arbeit, welche ich in unserem Auswahlverfahren erhalten habe, erinnerte mich an interstellare Landschaften, Krater und Sand, erstarrtes Gestein, gefrorene Energie, bereits vergangene energetische Einflüsse. So war mein Ansatz, diesen Nachhall der energetischen Geschehnisse, die noch jetzt durch den interstellaren Raum wandern und von eventuellen Zivilisationen jetzt oder erst in Milliarden von Jahren nach unserer Zeit abgefangen werden können, zu interpretieren.
III. interpretation:
Jesse Günther

Creating a piece for the sound of Markus Marschmann proved much more difficult for me. The sound itself left me somewhat empty, a spacey refraction of sound. I felt somewhat uninspired as I imagined myself in this vast environment of space, inorganic, cold, uninhabitable, yet still on a trajectory, a very directional orientation. So I made a rocket.
shuffle 6
I. initiation:
Norbert Michno

II. sound:
Masami Hirohata
Ein hoher, unverzüglich einfallender, glänzender Klang, schimmernd, widerhallend. Rasender Austausch, Zentrifugalkraft, ein Gefühl des Schwebens, ein ferner Ort.
III. interpretation:
Olga Golos

Es war ein pulsierendes, wachsendes, atmendes Wesen – halbtransluzent, als hätte es sich erst vor wenigen Minuten aus dem Licht geschält. In seiner Oberflächenstruktur lag etwas Fremdes, ein leises Flirren, das an die Unschärfe unerforschter Tiefseeorganismen erinnerte. Und doch war da auch ein unerklärlich vertrauter Rhythmus, ein Echo von etwas, das mir vertraut erscheint: der Takt eines Herzens, das nicht unser eigenes ist, aber in einer benachbarten Frequenz schlägt. Es bewegte sich nicht im Raum, sondern ließ den Raum um sich herum sich bewegen, Halbfremd, halbbekannt: als wäre es ein verlorener Verwandter seiner eigenen Evolution. Ein Wesen, das in jedem Atemzug die Frage stellte, ob es uns wahrnimmt – oder ob es uns träumt.
shuffle 7
I. initiation:
Markus Marschmann

II. sound:
Lotte Schlör
Glas, Metall und Papier – wie verwandelt man Material in Klang? Leises Rascheln von Papier, das helle Anschlagen von Metall auf Glas, kreisendes Schleifen von Stein und Glas – sie verbinden sich zur akustischen Interpretation und erzeugen die klangliche Annäherung an die Atmosphäre der Arbeit.
III. interpretation:
Norbert Michno

Ringing, creasing, rustling. I hear several materials interacting with each other.
Resistance and flow, counteraction and cooperation.
Do they act by themselves or is an outside force directing them?
Phrases layered on top of each other.
Collage of tension and anxiety orchestrated, filling the void.
shuffle 8
I. initiation:
Lotte Schlör

II. sound:
Anna Riedl
Deep Breath. Exhale. The same deep breath that soothes me here, has also blown this body of glass.
Into this wooden skeleton. Burnt wood remains, born from the force of heat and willpower. Deep Breath. Exhale. A late summer breeze accompanies me in my keep of moments. Clouds drift quickly across the sky, veiling the sun in turns, to allow a glance upward.
Deep Breath. Exhale. Hands on. Blinded by the glowing molten glass. Sensing the sharp smell of smoke. Feeling the presence of this very moment.
III. interpretation:
Markus Marschmann

Die sinnliche Qualität des Klaviers diente mir als Ausgangspunkt, um seine stilistischen und klanglichen Elemente zu untersuchen, zu abstrahieren und in einer eigenen kompositorischen Sprache neu zu gestalten.
Die gemeinschaftliche Arbeit glassjam.impro wurde dank der Unterstützung des Programms „Verbindungslinien“ des BBK (Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Landesverband Bayern e.V.) aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst im Bild-Werk Frauenau (Bayerischer Wald) realisiert. Die Ergebnisse sind vom 4. Dezember 2025 bis zum 8. März 2026 im Europäischen Museum für Modernes Glas in Rödental zu sehen.


